DAS PROJEKT

*Dieser Bereich befindet sich noch im Aufbau

SP 2020.21

ERSTE PHASE

ZIELSETZUNG​
VORBEREITUNG & KONZEPTENTWICKLUNG

Grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit im Allgemeinen und speziell mit Nachhaltigkeit in Kulturinstitutionen

 

Entwicklung einer Projektstruktur und einer langfristig und ganzheitlich ausgelegten Projektstrategie, als Ergebnis eigener Überlegungen und auf Basis von Erfahrungsberichten aus diversen Nachhaltigkeitsgruppen anderer Theater

TIMELINE​
09.2020

Klausur des Leitungsteams des SHG: Iris Laufenberg setzt das Thema Nachhaltigkeit auf die Agenda des SHG

 
12.2020

Kontaktaufnahme mit und Beratung durch Dr.in Regina Presmair (Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie)

 

Kontaktaufnahme mit und Beratung durch Dr.in Mag.a Karin Dullnig (ecoversum – netzwerk für nachhaltiges wirtschaften)

 
01.2021

Frank Holldack übernimmt die Projektleitung

 
01.2021 – 03.2021

Weiterführende Gespräche mit ecoversum und Entwicklung eines Workshops für die Mitarbeiter:innen des SHG mit dem Ziel, alle Abteilungen des SHG in das Projekt einzubinden und auch durch einen Bottom-Up-Ansatz mögliche Aktionsbereiche zu eruieren

 
03.2021

Betriebsversammlung zum Thema  Nachhaltigkeit: Frank Holldack präsentiert das Projekt allen Mitarbeiter:innen des SHG

 

Workshop mit ecoversum mit Vertreter:innen aller Abteilungen zum Thema ökologische Nachhaltigkeit im Unternehmen

 

Beginn der ökologischen Evaluierung der SHG GmbH auf der Grundlage des Ökoprofit­ Bericht durch das Umweltamt der Stadt Graz, der dem Schauspielhaus Graz bereits im Jahr 2015 ausgestellt wurde (ecoversum)

 
05.2021

Frank Holldack informiert im Rahmen eines Gesprächs Mag. Bernhard Rinner über das Pilotprojekt

 

Frank Holldack informiert im Rahmen eines Gesprächs mit Landesrätin Mag.a Ursula Lackner die Landesregierung über das Pilotprojekt

 

Frank Holldack wird als Vertreter des SHG Mitglied des Green Theatre Committee der European Theatre Convention (ETC), dessen Ziel die Erarbeitung Europäischer Richtlinien und Aktionspläne hinsichtlich Nachhaltigkeit in Kulturbetrieben ist

 

Frank Holldack vertritt das SHG in der Initiative „Kreislaufwirtschaft in Kulturinstitutionen“ der Kulturstiftung des Bundes (DE)

 
06.2021

Erfahrungsaustausch mit diversen Nachhaltigkeitsgruppen verschiedener Theater; Evaluierung der Erfahrungsberichte

 

Das Green Theatre Committee präsentiert während der International Theatre Conference der European Theatre Convention (ETC), deren Gastgeber im Juni 2021 das Schauspielhaus Graz war, den ersten europäischen Aktionsplan. Vortrag von Frank Holldack über den Beginn des Pilotprojekts und Nachhaltigkeit in Kulturinstitutionen.

ERGEBNISSE
ERSTE PROJEKTSTRUKTUR

Die Projektstruktur soll integraler Bestandteil des SHG werden. Sie umfasst:

  • die Projektleitung mit Verbindung zur Theaterleitung und allen Bereichs- und Abteilungsleiter:innen der zweiten Leitungsebene

  • die Lenkungsgruppe (bestehend aus 3 Mitarbeiter:innen) zur Unterstützung der Projektleitung und für die weiterführende Betreuung und strategisch-normativen Entwicklung des Projekts

  • die „Grüne Mission“ (bestehend aus 2 Mitarbeiter:innen) als kommunikatives Bindeglied zwischen Projekt und den Mitarbeiter:innen des SHG

  • die Arbeitsgruppen der Mitarbeiter:innen zur Entwicklung von Lösungsansätzen und konkreten Maßnahmen vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen im Rahmen partizipativer und gleichberechtigter Gesprächsformate (zunächst ohne feste Arbeitszeiten)

 
ERSTE PROJEKTSTRATEGIE

Aufgrund der Umfänglichkeit des Themas bedarf es einer Fokussierung und Priorisierung. Das Pilotprojekt konzentriert sich zunächst auf das SHG und all die Aspekte, die das Unternehmen bzw. dessen Mitarbeiter:innen tatsächlich ändern können. Hierbei wird eine ganzheitliche Betrachtung angestrebt, um die Unternehmensstruktur, -kultur und -prozesse in großen Zusammenhängen zu erfassen, mit dem Ziel, Lösungen und Maßnahmen mit einem möglichst großen Wirkungsgrad zu identifizieren und vorrangig umzusetzen. Hierzu ist eine umfangreiche Datenerhebung zur Bestimmung des Ausgangspunkts notwendig.

 

Des Weiteren soll das Arbeiten in Arbeitsgruppen in die Unternehmenskultur wirken: ein gemeinschaftliches Verständnis für Nachhaltigkeit, Zugehörigkeit, Teilhabe und das aktive Gestalten des Unternehmens aller Mitarbeiter:innen sind dabei wesentliche Schlagworte.

 
ERSTE MASSNAHMEN
  • Vollständige Überarbeitung des Abfallmanagements mit einer neuen Infrastruktur: Mülltrennstationen auf allen Etagen
  • Wasserspender an ausgewählten Standorten im SHG
  • Mehrwegtrinkflaschen für alle Mitarbeiter:innen

SP 2021.22

ZWEITE PHASE

ZIELSETZUNG​
ANALYSE & DATENERHEBUNG

Festigung und Weiterentwicklung der Projektstruktur und Projektstrategie

 

Umfangreiche Datenerhebung in allen Bereichen des Unternehmens als Vorbereitung eines Aktionsplans

TIMELINE​
09.2021

Klausur des Leitungsteams des SHG: Frank Holldack präsentiert der Theaterleitung die Projektstruktur und Strategie. Das Pilotprojekt wird zur Schlüsselstrategie des SHG in Hinblick auf Nachhaltigkeit und in den Unternehmenszielen verschriftlicht.

 

Die Projektstruktur mit den Projektrollen und dazugehörigen Aufgaben aller Organe wird etabliert.

 

Zunächst 6, in der Folge 8 Arbeitsgruppen werden gegründet und nehmen ihre Arbeit zu folgenden Themen auf: Diversität, Familie & Kind, Gesundheit & Wohlbefinden, Kommunikationskultur, Spielplan & Inhalte, Sexismus & Rassismus, Mobilität & Gastspiele, Nachhaltiges Bühnen- & Kostümbild

 

Beginn der Analyse und Datenerhebung in Form von persönlichen Gesprächen, Datenabfragen, Umfragen an die Mitarbeiter:innen und Abteilungen des SHG, zunächst in Anlehnung an die theatregreenbooks (green buildings, green operations, green productions)

 
12.2021

Workshop mit Michael Müller (Covolution – Transformationsexpert:innen) mit Teilnehmer:innen der Arbeitsgruppen zum Thema soziokratische Gruppenarbeit und Konsentmethode mit Ausblick auf Kreisstrukturorganisation

 
01.2022 – 05.2022

Das SHG (mit insgesamt 10 Mitarbeiter:innen) ist eines von 15 Theatern, die am Pilotprojekt „Ki-Futures“ des ETC teilnehmen. (Das Projekt der Organisation Ki Culture, die Kulturinstitutionen dabei unterstützt nachhaltiger zu werden, widmet sich erstmals speziell dem Bereich der Darstellenden Kunst und bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit zur Mitgestaltung und Mitwirkung an der Entwicklung des Programms.)

 
02.2022

Das Programm Miro wird als digitales Werkzeug für die Arbeitsgruppen eingeführt. Es umfasst allgemeine Informationen, spezifische Arbeitsblätter und Austauschmöglichkeiten für die Teilnehmer:innen der Arbeitsgruppen

 
03.2022 – 05.2022

Fortsetzung der Zusammenarbeit im Green Theatre Committee zuzüglich Paddy Dillion (Autor der theatregreenbooks) mit dem Ziel eins Europäischen „Tool Kits für Nachhaltigkeit“

 
02.2022 – 05.2022

Interviews mit APA, Kleine Zeitung, Der Standard, Theater der Zeit

 
06.2022

Präsentation des ETC Tool Kit im Rahmen des New European Bauhaus-Festivals. Frank Holldack spricht über Nachhaltigkeit in Kulturinstitutionen und nachhaltige Betriebskultur.

 

Die Datenerhebung wird um die Kriterien des „Abfallwirtschaftskonzept Plus“ (ecoversum) als Teil der Vorbereitung für die Prüfung zum Österreichischen Umweltzeichen erweitert.

 

Erster Informationsaustausch mit der TSG (Ingo Reinhard) in Hinblick auf zukünftige Kooperation.

 

Erste Gespräche mit Andrea Vilter in Hinblick auf gemeinsame Strategien und den Fortbestand des Projekts

 
Im Laufe der Saison:

Frank Holldack gibt Impulsvorträge und teilt mit verschiedenen Theatern in Österreich und Deutschland die Erfahrungen aus der eigenen Arbeit.

ERGEBNISSE
ZWEITE PROJEKTSTRUKTUR & -STRATEGIE

Das Projekt wird von den Mitarbeiter:innen mitgetragen: Etwa ein Drittel der Belegschaft engagiert sich aktiv in den Arbeitsgruppen.

 
Im Verlauf dieser Phase zeigen sich folgende Schwierigkeiten:

Kommunikation nach innen: Newsletter und lnfo-E-Mails haben sich als unzureichendes Kommunikationsmittel herausgestellt. Dem entgegen werden die persönlichen Gespräche der Grünen Mission gut angenommen.

 

Kommunikation nach außen: Das Projekt ist unzureichend in seiner Vollständigkeit abgebildet. Eine umfänglichere Darstellung des Projekts ist dringend erforderlich.

 

Kontinuität der Gruppenarbeit: Die Arbeitsgruppen haben Schwierigkeiten, die Gruppenarbeit in ihren Arbeitsalltag zu integrieren.

 
Diesen Hindernissen wird mit einer Anpassung der Struktur und Strategie begegnet:

Die Projektleitung berichtet (seit 03.2022) der Theaterleitung im Rahmen der wöchentlichen Leitungsrunden über den aktuellen Stand des Projekts.

 

In Zusammenarbeit mit der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit wird die Kommunikationsstrategie überarbeitet und umfasst nun die Entwicklung und Planung einer Internetseite als zentrales Kommunikationsinstrument, verschiedene Aushänge mit QR-Code-Verlinkungen für Mitarbeiter:innen und Zuschauer:innen sowie spezielle Info-Aktionen (analog und digital).

 

Darüber hinaus wird die Lenkungsgruppe umstrukturiert und erhält eine eigene Kommunikationsleitung. Ebenso wird die Grüne Mission fortan Teil der Lenkungsgruppe.

 

Ab der Saison 2022.2023 werden feste und regelmäßige Arbeitszeiten (zweiwöchentlich) für die Arbeitsgruppen ermöglicht.

 
ABSCHLUSS DER ANALYSE bzw. DATENERHEBUNG
  • Energie, Wasser und Ressourcen
  • Abfallmanagement
  • Gebäudesubstanz, Gebäudetechnologie, Gebäudemanagement
  • Technologie, Verbrauchs- und Gefahrenstoffe, sowie Prozesse in allen Abteilungen des SHG
  • Mobilität
  • Gastronomie
  • Klimaschutz und Biodiversität
  • Kommunikationsstruktur/ -kultur
  • Gleichberechtigung und Vielfalt
  • Soziale Nachhaltigkeit
 
WEITERE MASSNAHMEN
  • Vorbereitung einer Grauwasser-Anlage im Rahmen der Garderoben-Umbauten
  • Fassadenbegrünung
  • Dauerhafte Tauschbörse für alle Mitarbeiter:innen
  • Prüfung gemeinsam mit externer Facility-Firma für den Einbau einer Regenwasser­ Anlage: Aufgrund der zu großen Aufwands als nicht sinnvoll erachtet
  • Prüfung für eine Photovoltaik-Anlage: Gutachten durch externe Firma: Aufgrund der Altstadtgesetzte Graz nicht erlaubt

SP 2022.23

DRITTE PHASE

ZIELSETZUNG​
AKTIONSPLAN & UMSETZUNG

In Anlehnung an das Abfallwirtschaftskonzept Plus, das Österreichische Umweltzeichens (UZ 200 und UZ 209), sowie auf der Grundlage der Datenerhebungen der Saison 2021.2022 und den Ergebnissen der Arbeitsgruppen, soll ein umfassender  Aktionsplan  mit  kurz-, mittel-, und langfristigen  Zielen zusammengestellt werden.

 

Alle Informationen und Hintergründe, einschließlich des Aktionsplans und der Ergebnisse der Arbeitsgruppen, werden transparent auf einer Internetseite dokumentiert. Der Aktionsplan wird ein lebendiges Dokument. Der aktuelle Stand ist stets öffentlich zugänglich.

 

Ausgehend von dem Aktionsplan werden schrittweise Maßnahmen umgesetzt. Alle Maßnahmen werden zunächst in einer Testphase realisiert und anschließend mit den Verantwortlichen  bzw.  den beteiligten  Mitarbeiter*innen in Hinblick  auf  ihre Wirksamkeit und Umsetzbarkeit im Arbeitsalltag evaluiert und ggf. korrigiert.

 

Erfolgreiche Integration des Grünen Theaters mit seinen AGs und den daraus resultierenden fortlaufenden Maßnahmen ins SHG.

TIMELINE​
09.2022

Das SHG bereitet sich auf die Prüfung für das Österreichische Umweltzeichen vor. Somit haben gegenwärtig die Analyse, Auswertung und Maßnahmenumsetzung der MUSS-Kriterien (UZ 200) und anteilig der SOLL-Kriterien (UZ 209) Priorität (und sind in Folge ein Teil des Aktionsplans). Hierfür sind nun alle Mitarbeiter:innen, einschließlich aller Leitungsebenen, in das Projekt integriert.

 

Die projektbezogene Kommunikationsleitung erarbeitet zusammen mit der Projektleitung eine neue Strategie und Struktur für die zukünftige Internetseite. Ziel ist es hierbei auch, den Diskurs zu erweitern und aktiv unsere externen Produktionsteams und Gäste sowie das Publikum zukünftig zu integrieren.

 

Die Theaterpädagogik (Schauspielhaus Aktiv) sowie die Arbeitsgruppen beginnen mit der umfangreichen Er- und Überarbeitung von Leitfäden und Richtlinien zu vielfältigen Themen der Nachhaltigkeit.

 
10.2022

In einer Testphase werden neue Kriterien in der hauseigenen Schneiderei festgelegt: vorerst werden nur noch Textilien aus dem Stofffundus der TSG bzw. mit ISO-TYP-1-Zertifizierung (oder vergleichbarer Zertifizierung) verarbeitet.

 

Erste Gespräche mit „nachhaltig-in-graz.at – Verein zur Förderung eines nachhaltigen Lebensstils in Graz“ für eine Kooperation: Eine Weiterentwicklung der App für mehr Anwenderfreundlichkeit für Bühnen- und Kostümbildner*innen wird evaluiert.

 
11.2022

Das Schauspielhaus Graz wird zur Prüfung für das Österreichische Umweltzeichen angemeldet und beginnt mit dem Hinterlegen der notwendigen Daten und Informationen in einer zentralen Datenbank.

 

Frank Holldack ist eingeladen zur MEET 2022 in Wien. In einer Roundtable Diskussion, moderiert von Margarete Reichel-Neuwirth (FG OETHG), spricht er über die ganzheitlichen Ansätze des Grünen Theaters und stellt sich gemeinsam mit anderen Gästen der Frage: „Nachhaltigkeit am Theater – Geht das denn?“

ERGEBNISSE

ST.01

OPERATIVE STRUKTUR

ST.02

NORMATIVE STRUKTUR

ECOVERSUM
Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
COVOLUTION
Soziokratische Organisationsformen und Entscheidungsstrukturen
ETC
Green Theatre Committee
Ki FUTURE
Ki Culture Sustainability Training Pilot Programme
MONSBERGER
Ingenieurbüro für Garten- & Landschaftsarchitektur
WIN STEIERMARK​​
Impulsberatung, Erstberatung & Potentialanalyse
UMWELTAMT GRAZ
Umweltförderung: Urbane Begrünung
SPIELZEITHEFT 2021.22​​
Theater in Zeiten des Ökozids: Das Grüne Theater​​

Theater in Zeiten des Ökozids: Das Grüne Theater

Keine Emotion beraubt den Geist so vollständig von seinen Möglichkeiten zu handeln und zu denken wie die Angst. (Edmund Burke)​

 

Und heute ist sie da, die Angst, denn die Zeichen für den Klimawandel und fortschreitenden Ökozid sind allgegenwärtig und nicht mehr zu leugnen.

 

Die Hintergründe für diese globale Krise sind offenkundig: Haben wir doch zum einen den Menschen zum „Herrscher und Besitzer der Natur“ (René Descartes) gekrönt und zum anderen eine Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung entwickelt, die unser Leben, Denken und Handeln dem Streben nach Kapital und dem Zwang nach unendlichem, wirtschaftlichen Wachstum unterwirft.

 

Unendliches Wachstum? Auf einem Planeten? Mit endlichen Ressourcen?

 

Diese Gleichung kann nicht aufgehen! Doch keine Angst, Wirtschaftsexpert*innen zufolge gibt es einen Ausweg, vielleicht den einzigen Ausweg, der humanistisches Maß hat: Das Wachstum muss verschwinden oder, anders formuliert, der dynamisch wachsende Kapitalismus muss durch einen bewusst herbeigeführten Mangel in eine statische Kreislaufwirtschaft transformiert werden.

 

Das ist die Vision. Doch zwischen dem Status Quo und dieser Vision klafft eine große Lücke und die weitaus größere Frage: Wie soll das gehen?

 

Wie kann ein historisch und kulturell tief verwurzeltes, global verflochtenes und vielschichtiges System durch einen Mangel verändert werden, ohne wirtschaftliche und soziale Krisen zu verursachen?

 

Wie kann dieser Mangel, der im Kern auf einem kollektiven Verzicht und damit auf einem neuen gesellschaftlichen Verständnis beruhen muss, gerecht verteilt werden, ohne soziale Missstände oder gar Bürgerkriege nach sich zu ziehen?

 

Wie kann dieses neue gesellschaftliche Verständnis vermittelt, gefördert und erlernt werden, ohne Ängste zu schüren, die – wie uns die Geschichtsschreibung lehrt – oft den Nährboden für totalitäre Ideen bereiten?

 

Dies sind die Fragen unserer Zeit, wie sie u. a. im Ecosalon auf der Theaterplattform nachtkritik.de gestellt wurden. Und dies sind die Herausforderungen, denen wir uns zukünftig stellen müssen und die deutlich umreißen, welche neue gesellschaftliche Verantwortung auch den Theatern, den Autor*innen, den Künstler*innen und den Theaterschaffenden künftig zukommen wird.

 

Eine Verantwortung, die nicht mehr nur darin bestehen kann, mahnende Schreckbilder einer apokalyptischen Zukunft zu zeichnen, derer wir uns längst gewahr sind, die uns verängstigt, die uns lähmt. Vielmehr sollten wir danach streben, neue Narrative und auch Praktiken zu entwickeln, die diesen Wandel erproben und befeuern. Geschichten, die uns ermutigen, den notwendigen Verzicht als eine Möglichkeit der Freiheit zu begreifen, um gemeinsam die gewaltige Lücke zwischen Gegenwart und Zukunft zu schließen. Geschichten, die uns unsere Ängste nehmen, die uns beherzt denken lassen und zu mutigem Handeln inspirieren.

 

Im März 2021 startete am Schauspielhaus Graz das Pilotprojekt DAS GRÜNE THEATER. Auf Initiative der Theaterleitung und in Zusammenarbeit mit allen Mitarbeiter*innen und der Unternehmensberatung ecoversum haben wir begonnen, das Schauspielhaus und unsere Theaterarbeit im Sinne der Nachhaltigkeit zu durchleuchten und verstärkt Maßnahmen zu setzen, die wir in Kürze auf unserer Website vorstellen und hier auch zukünftig mit euch teilen möchten.

 

Unsere Bemühungen zeigen aber auch, dass sich das Konzept der Nachhaltigkeit weit über die Themenkreise der Ökologie, des Umwelt- und Klimaschutzes und der Ressourcenschonung erstreckt und dass wir erheblich mehr leisten müssen, als ein paar wohlgesetzte infrastrukturelle Maßnahmen.

 

Denn so wie die Gesellschaft im Großen haben auch die Theater als Gesellschaft im Kleinen mit der Idee der künstlerischen Freiheit eine ganz eigene Begründung dafür geschaffen, die Verschwendung, Übermaß und Verantwortungslosigkeit, aber auch starre hierarchische Machtstrukturen, soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheiten rechtfertigt. Es wird also nicht reichen, dass wir nur die Geschichten ändern, die wir euch freudig allabendlich auf unseren Bühnen präsentieren. Auch wir müssen uns ändern, Verzicht lernen und neue Strukturen schaffen.

 

Diesen Herausforderungen möchten wir uns stellen!

 

Lasst uns gemeinsam denken, gemeinsam handeln – angstfrei!

 

Frank Holldack – Projektleiter Das Grüne Theater / 2021-09-01

APA
Grazer Schauspielhaus wird "Grünes Theater"

Grazer Schauspielhaus wird „Grünes Theater“

Von der Entsorgung der Bühnenbilder bis zur chemeiefreien Reinigung der Kostüme: Das Schauspielhaus Graz setzt auf ökologische, ökonomische, aber auch sozio-kulturelle Nachhaltigkeit.

Das Grazer Schauspielhaus möchte mit dem Pilotprojekt „Das Grüne Theater“ im eigenen Betrieb Maßnahmen im Sinne ökologischer, ökonomischer, aber auch sozio-kultureller Nachhaltigkeit setzen. Dabei geht es nicht nur um sortenreine Zerlegung der Bühnenbilder und chemiefreie Reinigung der Kostüme. „Der ganzheitliche Blickwinkel macht das Grüne Theater aus“, betonte Projektleiter Frank Holldack im APA-Gespräch.

 

Die heute üblichen Standards von ökologisch nachhaltigem Wirtschaften wurden am Schauspielhaus schon länger umgesetzt, dafür gab es 2015 auch die Auszeichnung als „Ökoprofit“-Betrieb. Das Pilotprojekt, das im März 2021 gestartet wurde, geht weit darüber hinaus und zielt darauf ab, den Begriff Nachhaltigkeit zu erweitern und in drei Bereichen umzusetzen. Der ökologische Aspekt betrifft Umwelt- und Klimaschutz sowie Ressourcenschonung, ökonomische Überlegungen prägen die Kommunikations- und Arbeitsstruktur, und auf sozial-kulturellem Gebiet soll auf soziale Ungleichheiten, Machtstrukturen und Gesundheit geachtet werden.

 
THEATER HAT VERANTWORTUNG

„Theater hat als öffentlicher Raum für Reflexion, Perspektivenwechsel und somit gedanklichen und intellektuellen Diskurs nicht nur auf künstlerischer Ebene eine Verantwortung, sich unter anderem den drängenden Themen unserer Zeit zu widmen“, betonte Schauspielhaus-Intendantin Iris Laufenberg. Auch als Theater-Betrieb müssten interne Strukturen geprüft und reflektiert und gegebenenfalls optimiert werden, um den dringend notwendigen Wandel in der Klimakrise einzuleiten. Zudem möchte das Schauspielhaus zeigen, „dass nachhaltiges Wirtschaften auch im Kulturbetrieb und in unserem Alltag möglich ist. Es ist allerhöchste Zeit, vom Reden ins Handeln kommen“, meinte die Intendantin.

 

So sorgen nun Arbeits- und Projektgruppen, die sich die unterschiedlichen Möglichkeiten genau anschauen, für die praktische Umsetzung. Bühnenbilder werden schon in Hinblick auf Zerlegbarkeit und gute Trennbarkeit konstruiert und anschließend sortenrein verwertet. Dazu wird beispielsweise Metall getrennt und nach Möglichkeit wiederverwendet. „Schwierig sind die Verbundstoffe, die auf den Rahmen aufgeklebt sind. Ebenso Styropor, da diese Teile oft vollständig verklebt sind und dann nicht getrennt werden können“. Hoffnung setze man nun auf einen neuen Stoff, der aus der Architektur kommt, myzel-basiert und auch brandsicher sei, erzählte Holldack. Die Materialrecherchen gehen aber weiter, derzeit läuft die Suche nach neuen Styroporklebern, die es ermöglichen, die einzelnen Schichten besser abzuheben.

 
NACHHALTIGE MASSNAHMEN IM SCHAUSPIELHAUS GRAZ

Die Kostüme „gehören zum Schwierigsten, es gibt da viele Ansätze“, meinte der Projektleiter. „Die Arbeitsweise, dass man ein T-Shirt um 2,50 Euro kauft, geht heute gar nicht mehr.“ Man versuche, die Kostümverantwortlichen auch dahingehend zu sensibilisieren, bestimmte Marken nicht mehr zu bedienen und empfiehlt Kataloge mit nachhaltigen Produkten.

 

„Wir versuchen, im Großen und Ganzen auf umweltfreundliche Materialien zurückzugreifen. Das ist aber nicht immer möglich wegen der Farben und Texturen, die künstlerisch gebraucht werden“, schilderte Claudia Goll, Leiterin der Kostümwerkstätten. Kunstfasern seien zwar nicht umweltfreundlich und zudem schwer abbaubar, aber auch Naturstoffe wie Baumwolle seien nicht unproblematisch, so Goll. „Baumwolle, vor allem weiß gebleichte, wird mit starken Pestiziden und Bleichmitteln bearbeitet und ist für die Umwelt eher schädlich als so manche Kunstfaser.“ Dazu komme noch, dass umweltfreundliche Stoffe rund ein Drittel teurer seien, bemerkte die Kostüm-Chefin. Gar nicht mehr neu angeschafft werden echte Pelze, aber was im Fundus vorhanden ist, werde natürlich weiter verwendet. Bei der Reinigung der Kostüme setzt das Schauspielhaus auf einen sogenannten Ozonschrank, in dem die Kleidung mittels aktivem Sauerstoff gereinigt wird und daher auf Chemikalien verzichtet werden kann.

 
„DAS GRÜNE THEATER“

Weiters wurde die Arbeits- und Publikumsbeleuchtung auf LED umgestellt, ein E-Bus und ein E-Lastenrad für Dienstwege angeschafft, und beim Papier setzt man nicht nur auf recycelte Ware, sondern versucht es beispielsweise durch den Einsatz von Tablets bei Textbüchern ganz zu vermeiden.

 

Mit dem Pilotprojekt „Das Grüne Theater“ nimmt das Schauspielhaus Graz eine Vorreiterrolle ein und stellt sich „in allen Bereichen dem Thema Nachhaltigkeit. Wir diskutieren, testen, reflektieren und optimieren. Unsere gewonnenen Erkenntnisse teilen wir auf nationaler Ebene, etwa mit den beiden Initiativen ‚Strategie Kunst Kultur 22‘ und ‚Kreislaufwirtschaft in Kulturbetrieben‘, sowie auf internationaler Ebene, mit den Mitgliedern der European Theatre Convention (ETC) in deren Green Theatre Committee, um auch anderen Kultureinrichtungen die Möglichkeit zu geben, davon zu profitieren“, erläuterte Laufenberg. Das „Grüne Theater“ werde zurzeit vom Engagement und dem Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Schauspielhauses getragen, die sich dem Pilotprojekt im Rahmen ihrer Arbeitszeit widmen. „Die konsequente Umsetzung aller Maßnahmen einer nachhaltigen Strategie erfordern langfristig zusätzliche Mittel“, ist Iris Laufenberg überzeugt.

 

Es gehe laut Holldack auch darum, das „gemeinsame Verständnis für Nachhaltigkeit zu schärfen. Für uns ist das ein Wandel, der kein Ende hat.“

 

APA / 2022-02-15

DER STANDARD
"Grünes Theater": Schauspielhaus Graz krempelt sich um

“Grünes Theater“: Schauspielhaus Graz krempelt sich um

Green Deal for Culture – er dauert. Graz prescht vor und bereitet seinen Betrieb auf Nachhaltigkeit vor. Es geht auch um Soziales

Keine Plastikflaschen mehr auf Podien, strenge Mülltrennung, ressourcenschonende Klimatechnik, Mobilitätsberechnung, umweltverträgliche Bühnenmaterialien und Kostüme zum Recyclen: All das gehört zur To-do-Liste von Theatern der Zukunft. In der Pandemie haben Häuser hinter den Kulissen an Nachhaltigkeitskonzepten gearbeitet. In England entstand die Initiative „Theatre Green Book“, aus der neue Standards für sozial- und umweltbewusste Theaterbetriebe hervorgegangen sind. Frank Holldack kennt sie gut. Am Schauspielhaus Graz ist er Leiter des Projekts „Grünes Theater“.

 

Theater stehen, wie andere Institutionen und Unternehmen auch, vor Strukturreformen. Das Umdenken, dem sich das Theater derzeit intensiv aussetzt, umfasst aber nicht nur eine Nachhaltigkeitszielsetzung (das Schauspielhaus Graz benennt die heutige Klimalage als Ökozid), sondern auch Fragen des sozialen Miteinanders, der Diversität, der Machtgefälle, der Kommunikation et cetera. Das Anliegen und die Notwendigkeit sind groß, nicht zuletzt, um als Kulturinstitution die eigene Glaubwürdigkeit in der künstlerischen Auseinandersetzung mit drängenden Gegenwartsfragen zu stärken. Wer Wasser predigt, sollte dieses selber auch trinken.

 
ÜBERPRODUKTION

Als eines der wenigen Häuser in Österreich trägt das Grazer Schauspielhaus den angestrebten Wandel sichtbar nach außen und untersucht seit einem Jahr sämtliche Bereiche: die Theaterproduktion, Betriebsabläufe, Gebäudetechnik, Lieferketten. Bis Saisonende soll als gut sichtbares Zeichen die Innenfassade begrünt sein. Initiiert hat den grünen Move die in der kommenden Spielzeit scheidende Intendantin Iris Laufenberg, und man wird von ihr in Berlin dazu einiges hören. Der vielversprechende Begriff Green Deal for Culture, ursprünglich von Museen angestoßen, ist in Deutschland in aller Munde, die deutsche Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) bekannte sich kürzlich bei der Eröffnungsrede zum Theatertreffen in Berlin zu einem Green Turn. Sogar die im Zuge des Festivals vergebenen Pokale bestanden nicht aus glänzendem Blech, sondern aus gepresster Erde mit keimfähigen Pflanzensamen. Auch das Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit ist eine wichtige Anlaufstelle für das Thema Betriebsökologie im Bereich Kultur und Medien.

 
BIENENSTÖCKE, GRAUWASSER

Die Erkenntnisse, wie Kreislaufwirtschaft in Theatern funktionieren könnte, sind da. Allerdings fehlt es noch an einem umfassenden, entscheidenden politischen Plan. Auch in Österreich sind in den letzten Jahren Anreize für Green Events und entsprechende Gütesiegel geschaffen worden, sind Fotovoltaikanlagen und Bienenstöcke auf Theaterdächern montiert und Grauwasseranlagen und LED installiert worden. Die Initiative Kunst und Kultur 2022 von Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) gibt dahingehend wichtige Impulse, und auch das Schauspielhaus Graz teilt seine nun eruierten Daten mit diversen wichtigen Ämtern. „Aber das Ministerium greift noch nicht die großen Brocken an“, so Projektleiter Holldack. „Es würde schließlich bedeuten, sich gegen das kapitalistische System zu stellen“.

 

Und dieses verursacht am Theater zum Beispiel eine dauerhafte Überproduktion. Theater sind wie andere Betriebe auch gezwungen, immer noch mehr Neues und damit eben neu am Spielplan Verkaufbares zu produzieren. Am Schauspielhaus Graz sind es zehn Großproduktionen pro Spielzeit. Runterkommen muss man auch von der damit zusammenhängenden Geschwindigkeit, die in den Arbeitsabläufen hohen Druck erzeugt und damit auch schnelle und billige Lösungen erzwingt. Daraus folgt beispielsweise der Griff zum Billig-T-Shirt oder die rasche Onlinebestellung.

 
AUF WESSEN RÜCKEN?

Ganz viel von diesem Verschwendermodus komme aus vererbten Hierarchien und alten Arbeitsweisen, so Regieassistentin Anne Mulleners, die in Graz in der Arbeitsgruppe Rassismus und Sexismus aktiv ist. „Es geht auch darum, Top-down-Entscheidungen zu hinterfragen, etwa von der Regie zum Kostümbild“, sagt sie. Ihr Kollege aus der Diversitätsgruppe, Timo Staaks, fragt sich: „Auf wessen Rücken machen wir Theater, von wessen Rücken müssen wir runtersteigen. Welche Kunst machen wir für wen?“

 

Alles zusammengerechnet steht am Ende dieser Debatte eine regelrechte Unternehmenstransformation, die in nächster Zeit auf Theater zukommt. Das Schauspielhaus Graz, das nun an die Umsetzung geht, ist dafür gut gerüstet. Ziel ist es, „das nachhaltige Arbeiten zum integralen Bestandteil des Schauspielhauses zu machen. Es hat ja kein Ende“, so Holldack. „Wenn wir es konsequent denken, werden wir eine andere Kunst machen und andere Sehgewohnheiten brauchen.“

 

Theater bleibt also einem steten Erneuerungsprozess ausgesetzt – die designierte Leiterin in Graz, Andrea Vilter, wird sich ab 2023/24 damit konfrontieren müssen.

 

Margarete Affenzeller / 2022-05-11

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